Nach großem Interesse einer Neuauflage der Mittwochstour, die 2009 regelmäßig stattfand, startete gestern die nächste Runde. Dabei lud der Stadtjugendring Stuttgarter Stadträte an einem Mittwochabend ein, um gemeinsam mehrere Jugendvereine zu besuchen, deren Vereinsaktivitäten kennenzulernen und über aktuelle Belange zu sprechen. Die Gespräche finden in den eigenen Vereinsräumen statt – direkt vor Ort können sich die Politiker einen Eindruck verschaffen und ein Gespräch auf Augenhöhe gelingt. Dies ist eine gute Basis, um auch über diverse Problemlagen zu sprechen.

falken_mittwochstour_nopper_munk_hanleAm 12. Juni besuchten Gabriele Munk (Grüne), Carmen Hanle (FDP) und Klaus Nopper (CDU) die Ortsgruppe Stuttgart der Sozialistischen Jugend “Die Falken” und den griechischen Kulturverein Pontiaki Estia. In einem jeweils einstündigen Dialog zwischen den Mitgliedern des Verbands und den Stadträten fand ein gelungener Austausch mit großem Interesse seitens der Jugendgruppen und der Politiker statt.

Bei der Ortsgruppe der Falken in Stuttgart-Ost waren die Politiker direkt bei Betreten der Räumlichkeiten mit der beständigen Problematik des Vereins konfrontiert: Durch die erschwerte Raumsituation sei die Vereinsarbeit nur unter schweren Umständen möglich, berichtet Vorstandsvorsitzender Peter Schadt. Die Raumknappheit des Vereins wirkt sich auf die Arbeit aus, so ist der Verein aktuell bemüht, eine Kindergruppe aufzubauen. Neben personellem Notstand ist diese aber in den jetzigen Räumen an der vielbefahrenen Wagenburgstraße und anliegenden Wohnungen kaum durchführbar. Auch regelmäßige Themenabende, Gedichtvorträge oder Ausstellungen sind nur eingeschränkt machbar, da sich bei dreißig Leuten im Raum bereits alle auf den Füßen stehen. Zwar könne man kaum Besserung versprechen, so Klaus Nopper (CDU), denn bei Kita-Ausbau, Stadtmuseum und Klinikum sind finanzielle Ressourcen begrenzt – der Rest würde sich in den kommenden Haushaltberatungen zeigen. Doch gemeinsam diskutierten Hanle, Munk und Nopper, wie eine Verteilung von leerstehenden Gebäuden in Stuttgart funktionieren könnte. In Stuttgart gibt es viele leerstehende Räume, die im besten Fall koordiniert werden müssten, um suchenden Organisationen eine Vermittlung zu bieten. Denn Jugendverbände stießen bei Anfragen von privat vermieteten Grundstücken auf eine Blockade, erzählten Mitglieder der Falken, die sich schon mehrere Male selbstständig bemühten, neue Räumlichkeiten zu finden.

Vom Osten ging es nach einer Stunde Gespräch zu Pontiaki Estia, der die drei PolitikerInnen nach Bad Cannstatt führte. Anders als bei den Falken hat der griechische Verein, der vor zwei Jahren keine Räume zur Verfügung hatte, diesbezüglich momentan keine Sorgen, denn mit dem großen Vereinshaus in Hallschlag ist die Arbeit gut realisierbar. Bei Pontiaki Estia trainieren mehrere folkloristische Tanzgruppen verschiedenster Alterklassen, um pontische Traditionen und die Kultur zu wahren. Darüber hinaus setzen sich einige Mitglieder mit großem Engagement in Gremien des Stadtjugendrings ein und wünschen sich dort mehr Unterstützung innerhalb anderer Verbände, die z.B. Raumprobleme haben. Eine Idee wäre ein gemeinsames multifunktionales Verbandshaus, in dem Vereine ihre Büros und Räume für Proben, Vorträge oder Seminare nutzen könnten. Wie ein solcher Treffpunkt gestaltet werden könnte, besprachen 20 engagierte Mitglieder von Pontiaki mit den StadträtInnen eifrig. Aktuell  hilft der Verein neben vielen erfolgreichen Tanzauftritten jungen emigrierten Griechen, die als Folge der dortigen Wirtschaftslage arbeitslos geworden sind. Pontiaki Estia unterstützt diese nun zum Beispiel bei Behördengängen, damit ihnen in Stuttgart ein guter Einstieg möglich ist.

Reich an Erfahrungen und dem gelungenen Austausch in beiden Vereinen endete die Mittwochstour am Ausgangspunkt beim Stuttgarter Rathaus. Schon in zwei Monaten soll die nächste Mittwochstour stattfinden. Peter Svejda (Grüne) hat sich für den nächsten Termin bereits angekündigt.