Seit 3 Monaten macht unsere Auslandskorrespondentin Isabel ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Bulgarien am Schwarzen Meer. In den Ferien bereiste sie diesmal die Hauptstadt des Nachbarlandes.

Eine Hauptstadt – Rumänien – mittendrin in Osteuropa.
Meine Erwartungen an diese Stadt sind bei der Hinreise eher gering. Bisher wurde mir nur Schlechtes von Rumäniens Hauptstadt Bukarest erzählt – kommunistisch, alt und „einfach nicht so schön“ soll es dort sein. Doch Vorurteile sind noch ein Grund mehr sich diese Stadt mal anzuschauen.

Angekommen am Piata Victoriei erkunde ich erst einmal die nähere Umgebung. Die Sonne knallt mit 30 Grad auf den Asphalt – die Stadt wirkt lebenig.
Hohe weiße Bauten türmen sich in einem Kreis um den Piata Victoriei. Die wenigen Einschusslöcher in den riesigen Gebäuden fallen gar nicht mehr auf, viel mehr erinnert der zentrale Treffpunkt Bukarests an einen Stadtteil in London, so viele Leuchtreklamen von Pepsi und Becks sammeln sich an den Fassaden. Auf den Gehwegen verkaufen Händler Schmuck, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten. Riesige Kreisverkehre, dutzende Taxis und ein Klangfluss aus mehreren Sprachen.

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Fährt man mit der Straßenbahnlinie M1 einmal zur Hälfte durch, befindet man sich am Piata Unirii – ein weiterer zentraler Treffpunkt der Stadt. Am Ende der langen Allee befindet sich das zweitgrößte Gebäude, dass die Menschheit je erbaut hat – der Parlamentspalast. Im Jahr 1989 wurde das ehemalige sozialistische Verwaltungsgebäude auf Wunsch des damaligen rumänischen Staatspräsidenten errichtet – heute wird es von der Regierung und unter anderem von der Nato als Konferenzzentrum genutzt. Ein überragendes Gebäude, bei dem sich der An- bzw Ausblick von Innen und vom Dach wahrscheinlich mehr lohnt als von außen. Die Bauweise aus der sozialistischen Zeit war nicht gerade die schönste Architektur der Geschichte.

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Da ich nur für 3 Nächte bleibe, schaue ich mir die Stadt im Schnelldurchlauf an. Weiß man jedoch, wo sich die schönsten Ecken Bukarests befinden, sieht man schon recht viel von der über 1,5 Millionen Einwohner Stadt (ein großer Vorteil, wenn man als Couchsurfer unterwegs ist!). Eine dieser Ecken ist der riesige Herastrau Park im Norden der Stadt. Neben Bars und Sportanlagen bietet der Park auf 200.000 Quadratmeter großem Gelände Platz für ein Freilichtmuseum, das Museil Staului. In nachgebauten Häusern kann man sich das bäuerliche Leben, wie es sich vor Jahrhunderten in den ländlichen Gebieten Rumäniens abgespielt hat von Nahem anschauen und selbst miterleben. Am Ende des Parks befindet sich ein Triumphbogen, der an eine kleinere Ausgabe des Arc de Triumph, wie er in Paris steht, erinnert. Er wurde zu Ehren des Triumphes im ersten Weltkrieg erichtet; an Geschichte mangelt es Bukarest also kaum. Neben dem Athenäum, vielen orthodoxen Kirchen und der riesigen Universität im Zentrum fahre ich ein Viertel nord-östlich gelegen. Hier wird einem leider auch das Leben unter der Armutsgrenze vor Augen geführt. Mein Ziel ist ein Chinesenmarkt im Sektor 2. Hier findet man wirklich alles, ob man es auch wirklich braucht ist eine andere Frage.

Dank meines Hosts, der mich für die paar Tage bei sich zuhause aufnimmt, erlebe ich auch das Nachtleben. Direkt im Zentrum, am Bulevardul Ion C. Bratianu, befinden sich kleine Gassen mit vielen kleinen Bars und Restaurants. Jung und Alt lassen hier ihren Freitagabend mit einem kühlen Bier ausklingen. Unsere Wahl an diesem Abend ist The Bicycle Bar. Selbstgemachte Drinks und kleine Speisen werden hier an Tische aus alten Fahrrädern serviert. Ein paar Runden gutes “Ursus” bevor es dann endlich in den Club geht. Bei Tequila für umgerechnet 25 Cent und freien Eintritt lässt man auch hier nicht viel Geld liegen. Auch die Taxifahrt bei Nacht verlangt nicht viel von unserem Ersparten. Ein guter Ausklang für eine kurze aber lohnenswerte Reise in den Osten, die sich auf jeden Fall gelohnt hat.