Hunderte Schüler_innen bei einer politischen Pressekonferenz. Alle unter 18. Das grenzt an Wunder – doch es war ein erfolgreiches Signal zur Eröffnung der diesjährigen U18-Wahl in Stuttgart. Zwar zählt diese Wahl nicht, aber sie ist ein wichtiges Mittel für junge Leute, sich in den politischen Prozess einzufinden, Politik greifbarer zu erleben. Alle unter 18 wählten nach der Pressekonferenz mit den echten Bundestagskandidaten ihren Favoriten – morgen gibt’s dann die Ergebnisse live bei der Wahlparty im ZEBRA, Stuttgart-Bad Cannstatt. Viele Bilder und Eindrücke vor Ort hat die OYSTr-Jugendredaktion vor Ort herausgefunden…

u18_pressekonferenz1Zuvor lernten die Schüler_innen die Stuttgarter Bundestagskandidaten persönlich kennen, die viele Eltern der anwesenden Schüler_innen wohl wählen werden. Denn für einen Großteil der Schüler ist es mit 14 oder 15 Jahren nämlich noch ein bisschen hin mit der Wahlberechtigung zur Bundestagswahl. Doch bereits nächstes Jahr dürfen 16-Jährige in Stuttgart den Gemeinderat wählen. Das verabschiedete der Landtag im April. Also doch gar nicht so lang hin – aktuell steht für viele Erwachsene die Bundestagswahl am 22.09.2013 hoch im Kurs. Man kommt vor lauter Radiobeiträgen, Zeitungsartikeln und Fernsehrshows kaum dran vorbei – selbst auf der Straße nicht. Politik geht an Schülern nicht spurlos vorbei, deshalb war die Pressekonferenz der evangelischen Jugend, die drei Wahllokale der U18-Wahl in Stuttgart organisiert, eine spannende Sache für über 200 Schüler. Vor ihnen saßen die Menschen, die sie seit Wochen von den Plakaten auf der Straße kennen. Den ein- oder anderen kennen die Schüler sogar sehr gut.

IMG_0551Besonders beliebt war dabei der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir, der schon lange in der Politik vertreten ist und wohl auch der Bekannteste vor Ort war. “Er wirkt sympathisch und jugendorientiert” findet Marei (16) und “er möchte Stuttgart grüner machen.”. Edis, 14, betont vor allem, das er es toll findet, dass Özdemir als Migrant in Deutschland begann, politisch aktiv zu werden. Viele Schüler sehen die vielen großen Wahlplakate aktuell in Stuttgart zuhauf. Die großen Plakate in der Stadt zeigen ihn, nach der Pressekonferenz ist er pausenlos von Schülern umgeben die mit ihm ein Foto machen wollen, ihm Fragen stellen oder einfach nur Hallo sagen. Für viele, wie die 14-Jährige Kaya von der Schlossrealschule, ist Politik zwar teilweise interessant, auch die Veranstaltung mache ihnen Spaß, aber das alles ist noch ein bisschen zu weit entfernt, die Themen zu komplex.

franke_linke_diskutiert_u18Deshalb versuchten die anwesenden Bundestagskandidaten im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern den knochrigen Begriff Politik etwas zu dehnen. “Wenn ihr sagt, dass die Fahrkarte zu teuer ist, ist das eine politische Einmischung”, stellt Marta Aparicio (DIE LINKE) fest. Ihrer Parteikollegin Christina Franke hilft es vor allem, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten. So stellt die Älteste auf dem Podium (58 Jahre) fest, was Jugendliche bewegt – denn wenn sie ernst genommen werden, engagieren sie sich gerne. Der jüngste Politiker ist der 31-jährige Nicolas Schäfstoß von der SPD. Er ermutigt die Jugendlichen vor allem, sich zu engagieren, sich zu wehren und laut zu sein. Nur so könne man gehört werden. In einer Demokratie zu leben ist das beste System. Dies können wohl alle im Raum bestätigen.

wahlkabine_u18Nach knapp einer Stunde Zuhören und viel Input, von dem sich viele vor Ort überzeugen konnten, durften die Jugendlichen gleich in der Wahlkabine – denn auch hier ist die Wahl geheim – und ihren Stimmzettel einwerfen. Die Ergebnisse werden nach dem zweiten Wahltag morgen um 21 Uhr im Internet unter www.u18.org oder auf der offiziellen Wahlparty im Zebra, Stuttgart-Bad Cannstatt, verkündet.