Man kann die Premiere des Dokumentationsfilms “Frage-Zeichen” als einen gelungenen Abschluss eines langen Projekts sehen. Dabei geht es nun erst richtig los. Zwei Jahre lang hat sich der Stadtjugendring Stuttgart mit den Stolperstein-Initiativen zusammengesetzt und gemeinsam mit über 20 Jugendlichen ein Projekt organisiert, dass über Zeitzeugen, die während des Nationalsozialismus in Stuttgart lebten, filmisch berichtet. Die Besonderheit dabei ist, dass die Jugendlichen in ihrem freiwilligen Engagement die Zeitzeugen interviewen und sich vorher in die Geschichte einarbeiteten, Workshops besuchten und planten. Als über den Sommer hinweg schon die Einzelportraits öffentlich präsentiert wurden, konnte man am 23.10. im Delphi den Gesamtfilm sehen.

Harald Stingele (Stolperstein-Initiative), Steffen Kayser (Regisseur), Alexander Schell (Projektleiter), Jörg Titze (Vorstand SJR) und Dr. Anja Dauschek (Stadtmuseum)

Harald Stingele (Stolperstein-Initiative), Steffen Kayser (Regisseur), Alexander Schell (Projektleiter), Jörg Titze (Vorstand SJR) und Dr. Anja Dauschek (Stadtmuseum)

Doch die über 200 anwesenden Gäste sahen gleich drei Filme im Delphi. Nachdem SJR-Vorstandsvorsitzender Jörg Titze, Frau Dr. Anja Dauschek vom Stadtmuseum und Projektleiter Alexander Schell begrüßten und in ihren Reden das Projekt nochmals erklärten und Revue passieren ließen, konnte man in der folgenden halben Stunde zusehen, wie es entstand. Von der ersten Besprechung bis hin zu den Drehterminen mit den Zeitzeugen begleitete Filmemacher Dominik Nemec gemeinsam mit seinem Team die Jugendlichen und zeigte die Hintergründe der Arbeit auf. Den eigentlichen Film “Frage-Zeichen”, den Steffen Kayser produzierte, gab es direkt im Anschluss zu sehen. Er beschreibt das Leben der Stuttgarter Zeitzeugen Peter Reinhardt, Marlies Heck, Hildegard Peisert, Alice Igaz, Franz Hirth, Gretel Weber und Walter Marx eindrucksvoll, die Jugendlichen befinden sich dabei mit ihnen an Schauplätzen dieser Zeit, etwa an alten Wohnhäusern, dem Hotel Silber oder ehemaligen Geschäften der Eltern.

Volles Haus im Delphi

Volles Haus im Delphi

Im Gespräch mit den Jugendlichen sticht vor allem die Nähe und Emotionalität zum Thema hervor. Viele der Zeitzeugen zeigten sich beeindruckt, dass sich Jugendliche freiwillig mit solchem Engagement für ihre Geschichte interessieren. Den Jugendlichen, vornehmlich Stuttgarter Schüler_innen, geht es dabei nicht anders. Sie schätzten die Bekanntschaft zu den Zeitzeugen, deren Gespräche weitaus verständlicher und interessanter sind als der Inhalt eines Geschichtsbuchs. Außerdem ist man direkt vor Ort des Geschehens – all das passierte in Stuttgart, der Stadt, in dem die 16-20 Jährigen nun ihre Jugend verbringen.

IMG_5784Den teilnehmenden Jugendlichen wurde direkt nach der Filmvorführung eine DVD und ein Zertifikat als Würdigung ihres freiwilligen Engagements überreicht. In circa zwei Wochen wird die DVD für alle zur Verfügung stehen, der Stadtjugendring wird dazu noch eine Info veröffentlichen. Dann soll der Film vor allem zu Bildungszwecken an Schulen, Workshops, Museen etc. gezeigt werden. Vor Ort äußerte der Stadtjugendring-Vorstandsvorsitzende Jörg Titze auch die Wichtigkeit zur Gestaltung des Lern- und Gedankorts Hotel Silber, der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Stuttgart, die ebenfalls im Film mehrmals eine Rolle im Leben der Zeitzeugen spielt und forderte dafür eine Stellenerhöhung der jugendpolitischen Arbeit im Stadtjugendring, um dies zu bewerkstelligen.