Heute scheint eins der beliebtesten Kleidungsstücke wohl die größte Beachtung überhaupt zu erhalten: Die Jogginghose wird jährlich am 21.01. scheinbar offiziell mit einem aus Eigeninitiative entstandenen Feiertag gehuldigt. Ein Grazer Schüler soll ihn 2010 erfunden haben, genau nachweisbar ist es aber nicht. Gründer gibt es wohl viele. Doch Wellen schlägt es zumindest soweit, dass viele Jugendliche die Idee so gut finden, dass sie die Jogginghose heute besonders zu würdigen wissen und sie öffentlich tragen. Zeigen soll es vor allem eines: Die Jogginghose ist allseits beliebt, das stellt sowieso niemand in Frage. Sie ist sogar von Wissenschaftlern als eine der zehn wichtigsten Erfindungen der Weltgeschichte (!) bezeichnet worden. Doch wie kann man diesen speziellen Feiertag mitten in der Arbeits/Schulwoche zelebrieren und warum überhaupt einen Tag dafür? Wir wagen eine kleine Analyse.

21. Januar, früh morgens: Radiostationen wie YouFM, Das Ding oder Fritz, die auf Jugendliche und deren Trends angewiesen sind, posten Fotos von Moderatoren in Jogginghosen und teilen diese über die üblichen sozialen Netzwerke: Es ist internationaler Jogginghosentag, damit es auch niemand vergisst. Das für viele fernab von diesem einen Tag dieses Kleidungsstück bereits alltäglich geworden ist scheint erstmal egal. Das Kollektiv muss befriedigt werden, die heute oft den Modeguru Karl Lagerfeld zitieren. Gesagt habe er wohl mal, dass Träger von Jogginghosen die Kontrolle über ihr Leben verloren hätten. Der Jugend ist es egal, denn Spaßverweigerung mag niemand, vor allem nicht am Jogginghosentag. Und selbst Einzelhändler wie Karstadt und Real gehen auf den ‘Feiertag’ ein und kreierten speziell Angebote dazu. Profit kann man ja wirklich mit allem machen.

Bezogen wird sich bei der Feierlichkeit meist auf die Facebookseite vom Grazer Alex Painsi, der die erfolgreichste Facebookseite zum Jogginghosentag betreibt, die in ihrer Seiteninfo sogar einen Rechtsanspruch auf den Feiertag erhebt. Die Seite zählt knapp 50.000 Likes und wirkt neben vielen anderen, oftmals privat erstellten Seiten fast wie eine offizielle Anlaufstelle. Gepostet wird im Prinzip nur rund um den 21.Januar, ansonsten ist es still um die Seite. Am Tag selbst werden Bilder von ‘Promis’ wie Daniela Katzenberger oder dem Mr. Austria in Jogginghose gepostet, die den Tag angeblich auch zelebrieren. Der Kölner Stadtanzeiger kreierte sogar eine Bildergalerie, die teils weltberühmte Personen wie Barack Obama, Madonna oder Jessica Parker im bequemen Dress zeigen. Sie bestätigen, dass Jogginghosen weitreichend beliebt sind. Ohne Zweifel. Umfragen auf der Königstraße würden vermutlich das Gleiche ergeben.

Ist das zu viel Beachtung für ein Funktionskleidungsstück? Im Namen steckt es ja bereits: Der eigentliche Nutzen besteht darin, beim Sport, vornehmlich beim Joggen, der Tätigkeit entsprechend angenehme Kleidung tragen zu können, die bequem ist und bei der körperlichen Ertüchtigung nicht stört. Akzeptiert wird sie auch in der Hiphopszene, beim Skaten und als Freizeitbekleidung im Wohnbereich. Das Tragen in beinah jedem anderen Lebensbereich ist schier verpöhnt und gilt als unangemessen, der Gang auf die Arbeit mit Jogginghose gleicht einem Akt der Unmöglichkeit, insofern man nicht ernsthafte Probleme mit dem Chef haben möchte. Berufstätige können den Tag also nur Abends zelebrieren. Angesprochen werden zumeist aber jüngere, vornehmlich Schüler. Auf den Schulhöfen stellt man aber übers ganze Jahr schon fest, wie sehr das Kleidungsstück verankert ist. So kam auch Painsi mit seinen Freunden privat auf die Idee, als Kollektiv in Jogginghosen die Schule zu besuchen. Der Idee folgten tausende. Ein überdimensionaler Mottotag erwachte zum Leben und die Schulen antworten mit diversen Verboten, die einzeln festgestellt worden sind.

Nachvollziehbar ist es, da das Tragen von Jogginghosen in der Schule als ernsthafte Bildungszone, dem Lehrpersonal unangemessen erscheint und diese am gegenseitigen Respekt zweifeln. Schließlich könnten sie in ihrer Vorbildsrolle nicht so auftreten. Auch wollen sie den Schülern vermitteln, dass man in in solch einem Aufzug in der Öffentlichkeit möglicherweise nicht ernst genommen wird. Schüler sprechen hingegen vom Einschnitt ihrer individuellen Freiheit in einer Zeit, in der Schuluniformen noch großen Bestand haben, die gute Gründe hat. Doch alles an- oder ausziehen kann man eben auch nicht: Nacktsein kann in der Öffentlichkeit zu Strafanzeigen führen und auch Kleidung mit beispielsweise rechtspopulistischem Aufdruck ist verständlicherweise nicht zu tolerieren. Die Jogginghose muss in diesem Duldungsprozess also durch und sollte eher zuhause oder beim Sport getragen werden. Dem sind sich die meisten bewusst, auch der ‘Gründer’ Alex Painsi. Sport und Freizeit, das ist die eigentliche Heimat der Jogginghose. Aber um sich Gehör zu verschaffen und die Erfindung zu bejubeln, reicht es nicht im Stillen zu feiern. Also wagen sich alle Fans und Mutigen am 21.01. auf die Straße in den Shorts, die eine Stufe über dem Schlafanzug stehen.

Doch allzu ernst nehmen darf man diese Feiertage wie dem ebenfalls heute stattfindenden Knuddeltag, Star Wars Day, Do-Nothing-Day oder eben dem der Jogginghose, die einzig zu spaßigen Aktionen wie bereits etablierte Flashmobs aufrufen um den Alltag zu erheitern und Leute aufzumuntern, nicht. Mitmachen schadet ja nicht und das Innehalten, um der wirklich tollen Erfindung einen Moment lang zu danken ebenfalls kaum. Also lächeln und dem Tag nicht zu viel Gewicht geben. Oder würdet ihr auch in Jogginghose heiraten? (Kay One-Voice)

Interessante Denkansätze zum Jogginghosentag gibt auch beim Stern: http://www.stern.de/lifestyle/mode/internationaler-jogginghosentag-ausgang-fuer-die-nette-prolette-1775831.html

… und bei der Kleinen Zeitung in Österreich einen Diskurs über Kleiderordnung an Schulen: http://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/graz/3413732/jogginghosen-verbot-steiermark-undenkbar.story