“Manche Jugendliche wissen mehr über Fußpilz als über Politik!”, sagt Wahllotse Jan Elm lachend und engagiert sich, dies zu ändern. Politik ist schließlich nicht exklusiv für die alten Männer im Anzug, die über Themen in Fachsprache reden, über die Jugendliche nicht Bescheid wissen – Politik geht alle an. In einer Demokratie bestimmt die Mehrheit, das Volk – auch Jugendliche. Wenn der Bolzplatz weg ist oder keine Treffpunkte da sind, dort beginnt Politik. Um festzulegen, wer sich um diese Entscheidungen kümmert, stellen sich viele Parteien mit vielen Kandidaten zur diesjährigen Kommunalwahl am 25.Mai auf, um einen Platz im 60-köpfigen Gemeinderat zu besetzen und dort über genau solche Entscheidungen wie Schulen, Bildung, Räume, Kultur zu entscheiden. Hier dürfen Jugendliche ab 16 Jahren zum ersten Mal in Stuttgart wählen. Das sind insgesamt ca. 8300. Da die Kommunalwahl besonders komplex (nicht nur für Jugendliche) ist und auch sonst einige nicht über ihr neues Wahlrecht Bescheid wissen, hat sich ein Stuttgarter Bündnis, bestehend aus Stadtjugendring, der Jugendhausgesellschaft, der Stadt Stuttgart, den Stuttgarter Schulen, dem Internationalen Bund, der Landeszentrale für politische Bildung und der SSB gebildet, um mit verschiedenen Projekten Jugendliche das Wählen und ihr Wahlrecht zu erklären, sie zu motivieren und informieren. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn übernommen.

DSC_0744Alle haben sich am gestrigen Mittwochmittag gemeinsam im Demokratiebus auf dem Marktplatz getroffen, um sich und das Bündnis vorzustellen. Nebenher hat ein Wahllotsen-Team draußen gleich die im Bus besprochene Theorie zur Praxis gemacht und Stuttgarter Jugendliche auf der Straße spielerisch über die Wahl informiert. Denn eins der Projekte, die von den verschiedenen Trägern gestemmt werden, sind die Wahllotsen, die vom Stadtjugendring Stuttgart geleitet werden. Sie fahren mit dem großen, gelben Demokratiebus an Schulen oder an Treffpunkte für Jugendliche um sie über ihr Wahlrecht zu informieren und ihnen die Vorgänge dazu auf simple Art und Weise von Gleichaltrigen erklärt werden. Einer davon ist Jan Elm, 18 Jahre alt, der Fritz Kuhn gleich über dessen Bekanntheit bei Jugendlichen informiert: Einige erkannten den Stuttgarter Oberbürgermeister beim Quiz nicht. Und um z.B. das zu ändern, setzt sich Jan freiwillig dafür ein. Auch Kuhn selbst möchte gerne mal auf einen solchen Schul-Aktionstag mit.

 

DSC_0841Die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft hat die Internetplattform www.deine-wahl.net ins Leben gerufen, da ja viele Jugendliche in sozialen Medien unterwegs sind, auch mobil auf dem Smartphone, das laut Jugendhaus-Geschäftsführer Sieghard Kelle jeder in der Tasche hat. Dort können Jugendliche direkt mit anderen Jugendlichen diskutieren, Filme, Songs und Texte hochladen und sich bei Kursen und Veranstaltungen zum Thema “Wählen ab 16″ zu informieren. Es geht dem Bündnis mit den Aktionen aber nicht nur um die bevorstehende Kommunalwahl an sich, sondern um eine generelle Information der Wahl und der Beteiligung Jugendlicher, so Bernd Umbach vom Internationalen Bund.

 

DSC_0798Mittlerweile ist auch das Werbevideo zum Projekt Wahllotsen auf den Leinwänden in den U-Bahn-Stationen Stuttgarts zu sehen. Man sieht, alle packen gemeinsam mit an. Über die SSB gab es den Bus und die Videowände, die Landeszentrale für politische Bildung sorgt für viele Materialien, Jugendhäuser und Stadtjugendring gehen mit Aktionen auf die Jugendlichen zu. Konkurrenz ist bei diesem Vorhaben auch der falsche Weg, da sind sich alle einig. Man müsse an einem Strang ziehen, betont Rainer Mayerhoffer, Geschäftsführer des Stadtjugendrings. Gemeinsam mit Schirmherr Fritz Kuhn will man den Jugendlichen zeigen wie wählen geht und sie dazu motivieren, nicht aber, was sie wählen sollen. Das ist die Freiheit eines jeden.