Vor 500 Jahren, im Jahr 1514, in einer Zeit der Missernten von 1508 bis 1513 und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Notlagen der Unterschicht, führte die Verschwendungssucht des Herzogs Ulrichs zum ersten organisierten Aufstand in Württemberg…

Erstmals verbündeten sich Bauern, Weingärtner und insbesondere Handwerker im „Armen Konrad“ gegen die Obrigkeit und gegen die Herrschaft des Herzog Ulrich von Württemberg. Mit „Armer Konrad“ wird das Bündnis des „Gemeinen Mannes“, der armen Leute bezeichnet. In diesem Aufstand lehnten sich Remstaler Bauern erstmals in dieser organisierten Form gegen eine neue Schikane des herrschenden Herzogs Ulrich von Württemberg auf. Um seinen maßlosen Lebenswandel und den geplanten Kriegszug gegen Burgund finanzieren zu können, erhob Herzog Ulrich in Eintracht mit der „Ehrbarkeit“ eine Verbrauchssteuer auf Fleisch, Wein und Getreide und änderte das Maßgewicht zum Nachteil der eh notleidenden städtischen Unterschicht. Sie sollten weniger Ware für denselben Preis erhalten (heutiges Verpackungsdesign lässt grüßen). Der Preis für ein Scheffel Dinkel stieg innerhalb kürzester Zeit um über 500%.
Die „Armen Leute“ hatten zudem keine Möglichkeit der politischen Mitbestimmung. Die einflussreichen Ämter wurden ausschließlich von der „Ehrbarkeit“ und dem korrupten „Beamtenadel“ besetzt. Sie bevormundeten die „Armen Leute“ politisch und auch wirtschaftlich. Die „Ehrbarkeit“ bestand aus den reichsten Familien und angesehenen Geschlechtern, den Mitgliedern des Stadtrates. Sie zogen ihr Vermögen aus dem Handel, dem Handwerk, aber auch aus Landbesitz, waren also zugleich bürgerlich und feudal.
Bereits einige Jahre zuvor, 1495, wurde schon durch Herzog Eberhard im Bart mit seiner Landesordnung die Einschränkung der bisherigen Freiräume der württembergischen Bevölkerung festgeschrieben. Die Selbstverwaltung in den Dörfern und auch in den kleineren Städten wurde stark eingeschränkt. Große Teile des wirtschaftlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens wurden reglementiert und fanden mit Herzog Ulrich seinen Fortgang.
Die Unzufriedenheit der ‚Armen Leute‘ führte zum offenen Aufstand im „Armen Konrad“.
Auch Angehörige des Bürgertums und der Geistlichkeit unterstützten nun die Forderungen des „Armen Konrad“, z.B. in Leonberg.
In Beutelsbach zeigten sie erstmals ihren Unmut. Einer der Anführer war der Taglöhner Peter Gais auch Gaispeter genannt. Auf dem Fellbacher Kappelberg läutete er die Glocken der Nikolauskapelle der Burgruine. Damit sollten die Menschen des Remstals zu den Waffen gerufen werden. Der offene Aufstand war nun unter dem Bergriff und geheimen Bewegung „Armer Konrad“ ausgerufen.
400 Bauern und Tagelöhner unter Führung des Gaispeter zogen vor die Amtsstadt Schorndorf um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Protestaktionen weiteten sich schnell auf die Amtsbezirke Urach, Tübingen, Balingen, Markgröningen, Weinsberg und Brackenheim aus. In Calw und Backnang besetzten Bauern die Stadttore. Ein neues Zentrum des Aufstands wurde Leonberg, wo sich Ratsmitglieder dem Aufstand anschlossen.

Bei allen Treffen des ‚Armen Konrad‘ zog ein Anführer einen Kreis auf dem Tisch oder im Straßenstaub, und wer mit seinem Messer oder seiner Gabel hineinstach, schwor dem Geheimbund Treue.
Im „Marbacher Städtetag“ wurden 41 Forderungen erhoben, u.a.
wollten vor allem die Bauern, aber auch städtische Bürger – nichts weniger als ihre alten Rechte wiederhergestellt sehen. Dazu forderten sie etwas, was heute selbstverständlich ist, Politische Mitsprache der Bauern und Dorfbewohner, im Landtag. Keine Amtleute, deren Freunde, herzögliche Räte im Landtag. Absetzung des herrschenden Marschalls, Kanzler und Landschreiber und sie forderten das Jagdrecht.

Der Aufstand des ‚Armen Konrad‘ wurde größer. Herzog Ulrich berief deshalb für den 26. Juni 1514 einen Großen Landtag in Stuttgart ein. Prälaten, Ritter und die Abgeordneten der kleineren Städte sollten für alle Gruppen zufriedenstellend den Konflik lösen. Für Herzog Ulrich Zeitgewinn zur Vorbereitung einer militärischen Niederschlagung. Zuerst wurde auch an eine Beteiligung von dörflichen Delegierten gedacht. Die städtische Oberschicht lehnte es jedoch ab, sich mit dem ‘Gesindel’ an einen Tisch zu setzen. Ein Bauernlandtag sollte später in Stuttgart folgen. Der Landtag wurde als Landtag der „Ehrbarkeit“ kurzfristig nach Tübingen verlegt.
Beim Landtag in Tübingen kam es zu einem Deal und jeweils eigenen Vorteil zwischen dem Herzog und den „Ehrbaren“, festgehalten im „Tübinger Vertrag“.
Die Landstände verpflichteten sich, über einen Zeitraum von fast vierzig Jahren für die herzoglichen Schulden aufzukommen.
Zugeständnisse des Herzogs dafür:
- Mitspracherecht der Stände bei der Steuererhebung des Landes, beim Kriegswesen, bei der Landesverteidigung sowie bei der Veräußerung von Landesteilen.
- freie Auswanderung wurde zugesichert.
- Allen Untertanen wird für „peinliche Verfahren“ ein ordentlicher Prozess zugesichert.
- Das Vorgehen der Aufständischen wurde scharf verurteilt.
- In der ‚Empörerordnung“ wurde Widerstand gegen die Herrschaft, also auch die Aktionen des ‚Armen Konrad‘ als Strafbestand des Landfriedensbruchs klassifiziert, auf den die Todesstrafe bestand.
Der der von Herzog Ulrich versprochene Bauernlandtag kam nie zustande. Dafür wurde schon bald danach der Aufstand niedergeschlagen. Im August 1514, wurde in Schorndorf und eine Woche später auch in Stuttgart Gericht gehalten. Herzog Ulrich ließ in Schorndorf 10 Rädelsführer des Aufstands hinrichten, in Stuttgart sechs. Von zwei Hingerichteten wurden die Köpfe auf einen Spieß gesteckt und öffentlich zur Schau gestellt. Von den 1.700 Gefangenen wurden viele gefoltert und gebrandmarkt, einige mit ihren Familien verbannt. Nur wenige kamen frei, nachdem sie auf den Tübinger Vertrag geschworen hatten.
Peter Gais floh ins „Ausland“, in die Herrschaft Limpurg bei Schwäbisch Hall. Ein Jahr später wird er dort gefasst und ausgeliefert und ebenfalls hingerichtet.

Mehr dazu in einer Ausstellung bis September im Haus der Geschichte, Stuttgart.